Montag, 25. Januar 2021
Neue Jahreszahl...
... gleicher Mist.

Operation im Dezember verlief rasch, und beinahe klaglos. Beinahe, weil ich nach der Narkose stundenlang Schüttelfrost und Brechreiz hatte und zudem wochenlang im Oberbauch eine sehr schmerzhafte Stelle zwickte. Ansonsten alles gut. Bloss die Bauchschmerzen sind geblieben. Da hat sich nichts getan und wird es wohl auch nicht. Jetzt bin ich gerade dabei, Probiotiks zu futtern. Was soll ich sagen, das kostet eben alles. Wenn es helfen täte, wäre es schnurz, aber bislang.. ach, ich höre jetzt auf damit...

Stand der Dinge ist ansonsten restlos der alte. Ich warte auf einen weiteren OP-Termin, aber Corona macht ja alles zunichte, was nur geht. Raus darfste nicht, reinlassen auch niemanden, Termine sollste nicht machen, und wenn doch, klappen die nicht. Zwei unserer Mitarbeiten haben Quarantäne, einer davon ist infiziert, jedoch gottlob eher mild. Wir selbst haben nix ausser keine Lust mehr zu nix und heftige Müdigkeit bis pure Erschöpfung plus, wie immer, kein Geld.

Geld, tja, mein Sparbuch hat zwei mal vier Beine und muss alle naselang zum Tierarzt. Würmer, Impfen, Brechreiz, Juckreiz, Durchfall, Augenentzündung und dann wieder von vorn. Der Juckreiz bei Greta ist chronisch und sie bekommt alle vier bis acht Wochen eine Spritze dagegen. Sag Tschüss zum Geld, denn das Ding kostet reichlich.

Der blöde Januar ist fast vorbei, ganz sanft werden die Tage wieder länger. So richtig merkt man das im Februar und ich brauche das. Morgens hell, abends nicht wirklich dunkel, das wäre fein. Vielleicht bin ich dann weniger müde. Vielleicht macht Tageslicht munter. Schön wäre es ja.

Schauen wir mal. Schlimmer geht immer. Ich weiss das. Ganz genau sogar. Aber wir hoffen jetzt mal.

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Donnerstag, 17. Dezember 2020
Huch??!!
Und zackpeng, habe ich einen OP-Termin.

Der Bauchwandbruch links zieht nun ununterbrochen die gesamte Seite hinunter und nach einem weiteren Telefonat mit dem örtlichen Krankenhaus habe ich am Montag, 21.12.2020, 7.00 Uhr, einen OP-Termin. Die beiden Brüche - der kleinere ist ein Leistenbruch rechts - werden versorgt.

Mit sehr viel Glück bin ich Heiligabend wieder daheim. Mit weniger Glück dauert es über Weihnachten. Ich bin recht ratlos und würde bitte, bitte, bitte, Weihnachten nicht im Krankenhaus liegen. Aber nun ist es nicht mehr zu ändern und ich nehme es, wie es kommt.

***

Ich will dauernd Weichnachten schreiben. Weich, naja, weich ist an Weichnachten wohl nix.

***

Im März wird es dann mit OPs weiter gehen. Zwei stehen auf jeden Fall noch an, wirklich nötig wären sogar vier. Aber ich möchte auch noch ein echtes Leben haben und nicht ständig zwischen Krankenlager und Reha pendeln. Ich bin ja doch irgendwie ein armes Schwein.

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Samstag, 12. Dezember 2020
Kekse.
Weihnachtskeke sind nun fertig. Drei Stunden Kekse backen und du weisst auch, was du gemacht hast. Von der Schokokuvertüre habe ich noch was übrig. Die Zitronenglasur indes ist leer. Und mir ein wenig übel. Ich glaube, ich habe jetzt für ein Jahr genug von Teigduft und Ausstechförmchen.

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Dienstag, 8. Dezember 2020
Dezemberblues
Fast Weihnachten. Und wieder ein Jahr vorbei, in dem nichts von dem geschehen ist, was hätte geschehen sollen. Ich bin weder reich geworden, noch schön. Habe null OPs hinter mich gebracht, kein neues Knie bekommen und die Hunde hören auch nur zu 85 %, der Rest ist Wagnis.

Mir geht alles auf die Nerven. Die Kunden, die immer sofort alles wollen, egal, ob wir Zeit haben oder nicht. Homeoffice eben, da hat man mal Zeit, die Handwerker zu bestellen und die sollen springen, aber zack-zack. Ich darf nicht, deshalb schreie ich auch nicht. Keine Beleidigungen, keine Morddrohung. Stattdessen freundlich und bedauernd. Ist auch eine Methode, sich Pickel und Falten ins Gesicht zu drapieren.

Statt neuem Knie, vom alten ist nicht mehr viel vorhanden, gibt es eine Knieorthese. Soll man unter der Hose tragen. Tja, wird wohl zu eng sein, muss ich alle Hosen eine Nummer grösser kaufen oder in Leggings rumlaufen, wie der letzte Penner. Schick, ich bin begeistert.

Weihnachten nervt bereits jetzt. Ich will niemanden sehen, aber die Kinder kommen trotzdem und erwarten auch noch lecker Mittagessen. Meine Güte, wollen die nicht mal eine Einladung aussprechen und mich in Ruhe lassen? Wie alt muss ich werden, bis die Brut selber kocht?

Nächste Woche noch ein Termin in Kassel wegen eventueller OP. Ich wette, die sagen vorher ab wegen Corona. Oder wollen die grosse OP nicht machen. Oder irgendwas in der Art. Ich habe keine Hoffnung auf nix und vielleicht ist genau das die richtige Einstellung.

P.S. Auf Netflix auf keinen Fall "Pandora" anschauen. So eine schlechte schauspielerische Leistung habe ich selten erlebt. Grottenschlecht.

P.S.2 Ich mag keine Podcasts. Frau Novemberregen und Frau Herzbruch sollen wieder richtig schreiben anstatt quasseln.

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Mittwoch, 11. November 2020
Freiheit? Wieso Freiheit?
Ich verstehe die Frage danach nicht. Ich verstehe nicht, wieso man gegen Masken demonstrieren muss. Wieso man heimlich mit zig Leuten Partys in Gartenlauben feiern muss. Wieso Leute glauben, die Regierung hätte sich das ausgedacht, um die Menschen klein zu halten. Die gesamte Welt hätte sich Corona ausgedacht, um die Weltbewohner unter Kontrolle zu halten.

Macht doch alle, was ihr wollt. Geht, wohin ihr wollt, wann ihr wollt und wie ihr wollt. Aber bleibt weg von mir. Ich möchte weder selber Corona bekommen, noch es weiter verteilen, möchte auf keinen Fall Überträger sein und anderer Menschen Leben aus der Bahn werfen oder gar beenden.

Ich bin dankbar für die Versuche unserer Regierung, die Seuche in den Griff zu bekommen. Es wird noch viel zu wenig getan. Diese Einkauferei zum Beispiel, in der mit kaum nützlichen Stoffmasken dicht an dicht gedrängelt wird, ist Wahnsinn. Behelfsmasken schützen niemanden, weder den Träger, noch die Umwelt. Lediglich die Reichweite des Atems wird ein wenig eingeschränkt, aber letztlich nutzt das nicht viel, oder?

Unser Betrieb hat Hochsaison. Die Homeofficer nutzen die Zeit daheim, um die Handwerker zu bestellen. Unsere Monteure treffen täglich 5 - 10 Endkunden und am Abend sammeln sie sich in unserem Büro. Ohne Maske, denn die Stoffmasken sind Blödsinn und FFP2-Masken haben wir nicht. Zur Kundschaft geht es dennoch mit Stoffmaske, denn guten Willen haben wir, aber im Hinterkopf bleibt der Gedanke, dass es besser wäre, zu niemandem zu fahren und das Haus nicht zu verlassen. Ich bin froh, dass wir auf dem Land leben und die Infiziertenanzahl übersichtlich ist. Aber dennoch: ich will das nicht haben! Niemand will das haben, auch nicht die, die sich für unantastbar, für unsterblich, halten. Ehrlich jetzt, auch wenn ihr jetzt abwinkt, nicht wahr?!

Die Welt hat schon einige Pandemien überlebt. Zumindest ein Teil davon. Pest, Cholera, Spanische Grippe als Mutter der Pandemien etc.
Heute sind wir wieder an dieser Stelle, aber schlauer. Heute wird isoliert, maskiert, beendet, verboten, geschlossen, eingeschränkt. Und das ist gut so. Aber noch zu wenig. Mag sein, dass mancher im Kopf fein rechnet, wie viele Menschen tatsächlich versterben und dabei auf den Punkt kommt, dass es überwiegend Alte sind, aber das ändert nichts: es sind Menschenleben. Meine Mutter ist 92 Jahre alt und hat noch ein paar Monate, oder Jahre, wer weiss das schon. Wer will sich das Recht herausnehmen, ihr Leben in zwei Wochen wegen Corona zu beenden und ihr die Restzeit, die sie noch hätte, zu verwehren? Und das alles wird als winzige Zahl in einer Statistik vermerkt und das war es dann schon. Wagt es euch nicht, Corona zu meiner Mutter zu tragen. Wagt es euch nicht! Das Leben entscheidet, wann es geht, nicht euer beschissenes Coronavirus. Das könnt ihr behalten. Fein behalten!

Leute, haltet den Ball flach. Wir reden von Menschenleben, nicht von einer Statistik auf einem Blatt Papier. Es kann nicht wie gewohnt weiterlaufen, wenn es nicht wie gewohnt weiterläuft! Ich weiss, dass es nicht einfach ist, aber es geht vorbei, je mehr sich einschränken und mitmachen, desto schneller. Und ich bin mir sicher, dass es denen, die unter den Auflagen ihre Lebensexistenz verlieren, geholfen wird. Nicht umfänglich, vermutlich, aber dennoch irgendwie. Dafür dürft ihr dann auf die Strasse gehen und mächtig demonstrieren und da würde ich sogar mitmachen.

Da würde ich dann mitmachen. Nachher. Wenn es darum geht, wieder neu anzufangen. Oder weiterzumachen.

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Samstag, 7. November 2020
Letzter Versuch in 2020
Mitte November starte ich einen letzten Versuch im örtlichen Krankenhaus, diese beiden Bauchdeckenbrüche loszuwerden.

Entweder nimmt man mich auf und "stopft" die Brüche zusammen oder aber man verweist mich auch dort auf die Situation.

Ich bin inzwischen relativ gleichgültig geworden. An die Schmerzen gewöhnt man sich ja irgendwie und ich habe das nun jahrelang überlebt. Da wird es wohl genauso noch ein wenig länger gehen. Nicht, dass ich am Ende die Schmerzen, wenn ich sie los bin, vermisse. Na, das wäre ja ein Ding. Tz.

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Mittwoch, 4. November 2020
Situation?! Situation!?
Gerade ruft mich die Klnik Hildesheim an und sagt den Termin im Dezember ab. Aufgrund der Situation.

Ich versuche seit zwei Jahren, diese beschissenen Schmerzen loszuwerden. Seit zwei Jahren stecke ich in meiner eigenen Situation!

Erst schickt man mich zwischen zwei Anlaufstellen hin und her und behandelt mich auf Divertikel. Ein CT weist diese auch ganz schick nach. Passieren tut dann allerdings nichts mehr. Eine Operation kommt nicht in Frage, weil die Entzündunden immer wieder ausheilen. Medikamente gibt es nicht dagegen. Alles Gute Ihnen und auf Wiedersehen, wenn es schlimmer wird, wird man weitersehen.

Im September schickt man mich erneut ins CT. Diesesmal Verdacht auf Bauchdeckenbruch. Und: Tadaaa! Ja! Es sind zwei vorhanden. Einmal linker Oberbauch, und einmal rechter Unterbauch. Ha!

Mit Arztbriefen und Überweisungen bekomme ich einen Vorstellungstermin in Hildesheim für den 11. Dezember.
Ich bin schon ganz aufgeregt und überlege, wie ich den Alltag vorbereiten kann, denn ich falle nach so einer OP garantiert erstmal länger aus. Und, wie ich recherchiert habe, kann man erstmal nur auf dem Rücken schlafen, mit Kompression um Bauch, damit die inneren Wunden glatt und gut abheilen können.

Gehe heute zum Friseur, mache noch schnell den bonusheftnötigen Zahnarztbesuch ab, ordne und schiebe alles fein hin und her, damit es passt. Scheint auch alles gut zu klappen. Ich bin fast schon stolz auf meine Weitsicht. Dann klingelt das Telefon, gerade eben, und Hildesheim sagt ab. Aufgrund der Situation. Diese Situation. Sie wissen schon. Diese Situation eben, die seit Februar unser aller Leben bestimmt. Und das nicht zum Schöneren.

Ich habe Schmerzen. Jeden Tag. Mir tut der Bauch weh. Ich kann mich manchmal nicht bewegen, weil irgendwas eingeklemmt oder abgedrückt ist. Ich kann nichts essen, wenn ich nochmal aus dem Haus muss, weil ich dann die Hose ausziehen muss, damit der Bund mir nicht die Luft abdrückt, so weh tut mir der Bauch. Ich könnte auf dem Klo manchmal heulen, weil ich nicht ohne Schmerzen aufs Örtchen kann. Ich scheisse auf die Situation. Ich will nicht mehr mitmachen, in dieser Situation. Ich bin ein Einzelschicksal, ich weiss, aber eines, das unter chronischen Schmerzen leidet und nicht mehr weiter weiss.

Ich hoffe, ich kann im Januar noch in Hildesheim einen neuen Termin vereinbaren. Ich habe den Eindruck, dass es schlimmer wird und ich habe Angst, dass sich der Darm so dermassen einklemmt, dass ich als Notfall im örtlichen Krankenhaus lande. Mir ist die Situation egal, ich habe eine eigene Situation. Und niemanden interessiert das. Ich habe ja kein Corona, ich bin unwichtig, nur ein normaler Bürger ohne schreckliche Infektion.

Vielleicht sollte ich mich anstecken, damit man mich nicht immer von der Liste streicht. Vielleicht behandelt man mich dann. Irgendwo. Irgendwie.

Ich bin es so leid. Ich bin sogar zu wütend, um aus Enttäuschung zu heulen.

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